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Geschichte des Kölner Doms

Der Bereich des Domes war bereits zu römischer Zeit dicht besiedelt. Nach dem Vorbild der Anlage Alt St. Peter in Rom entstand 313 eine frühchristliche Bischofskirche mit Westchor, Atrium und separater Taufkapelle. Nachdem Karl der Große seinen Freund und Berater Hildebold zum Bischof ernannt und Köln zum Erzbistum erhoben hatte, begann man nach 817 mit dem karolingischen Neubau.

Dieser „Alte Dom“, eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit zwei Chören, zwei Querhäusern und Chorflankentürmen an der westlichen Apsis ist nicht nur durch die Ergebnisse der Domgrabung, sondern auch durch eine Darstellung auf dem Widmungsbild des Hillinus-Codex (ca. 1025) bekannt.

1164 hatte Kaiser Barbarossa die vermeintlichen Gebeine der Heiligen drei Könige durch den Erzbischof Rainald von Dassel von Mailand nach Köln bringen lassen.

Dadurch avancierte Köln zu einer der bedeutendsten Wallfahrtsstätten des Abendlandes. Als Folge der Beliebtheit wurde der Wunsch nach einer vollkommen neuen Kathedrale immer deutlicher. Vom „Zehnt“, dem Vorläufer unserer Kirchensteuer, konnte das immense Bauvorhaben allerdings nicht verwirklicht werden, aber der mittelalterliche Glaube, man könne sich durch entsprechende Zahlungen von seinen Sünden freikaufen, veranlaßte die reichen Kölner Bürger Unsummen in die Kirchenkasse zu zahlen. Kurz nach dem Finanzierungsvertrag, am 30. April 1248, brannte der alte Dom bis auf seine Grundmauern ab. Unsachgemäße Abbrucharbeiten oder Brandstiftung waren die Ursache.

Am 15. August 1248 konnte Erzbischof Konrad von Hochstaden dennoch den Grundstein für den nun an französischen Vorbildern orientierten gotischen Domneubau legen. Der Westteil wurde provisorisch wieder hergestellt und blieb bis zur Weihe am 27.09.1322 des Ost-Chores in Benutzung. Der Dreikönigsschrein (von Nikolaus von Verdun 1181 angefertigt) und die Gebeine der im alten Dom beigesetzten Erzbischöfe wurden in den neuen Chor überführt. Die Chorausstattung (Glasgemälde, Chorpfeilerfiguren, Chorgestühl, Chorschranken und Hochaltar) waren fertig. Nach Westen schloß man den Chor provisorisch durch eine Wand, die danach lange Zeit Bestand haben sollte.

Der 25 m hohe hölzerne Baukran auf dem provisorischen Dach des um 1410 vollendeten zweiten Südturmgeschosses wurde für Jahrhunderte zum Wahrzeichen der Stadt.

1560 wurden wegen der Pest und aus Geldmangel die Bauarbeiten am Dom schließlich ganz abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt waren ungefähr 90 Prozent der projektierten Gesamtfläche des Domes liturgisch nutzbar; eine behelfsmäßige Dachkonstruktion aus Holz schloß den Innenraum oberhalb der Arkaden ab.

1794 zogen die französischen Revolutionstruppen in Köln ein. Sie verboten den Gottesdienst im Dom und nutzten ihn als Korn- und Futtermagazin. Im Winter 1797/98 wurde die gesamte hölzerne Ausstattung des Lang- und Querhauses durch Kriegsgefangene verheizt. Schließlich löste man das Erzbistum Köln 1801 auf, und verlegte den Sitz des Bistums nach Aachen und der Dom, der einst die größte Kathedrale der Welt werden sollte, wurde zur Pfarrkirche degradiert.

Erst 1821, nachdem Köln preußisch geworden war, wurde das Erzbistum wieder eingesetzt. Dem 19. Jahrhundert bleibt überhaupt die Vollendung des Domes als „deutsches Nationalheiligtum“ vorbehalten. 1808 begann der Kölner Kaufmannssohn Sulpiz Boisserée mit einigen Helfern das Fragment zu vermessen und zeichnerisch festzuhalten. Er wandte sich zunächst schriftlich, dann persönlich an Wolfgang von Goethe, um ihn für die Idee einer Restaurierung und dem Weiterbau zu begeistern, was ihm schließlich auch gelang. 1814 fand man auf dem Speicher des Gasthofs „Zur Traube“ in Darmstadt und zwei Jahre später in Paris die Originalrisse für die Westfassade des Doms.

1832 wurde die Dombauhütte nach 263 wieder eingesetzt und die Wieder-herstellungsarbeiten am Chor konnten beginnen. 10 Jahre später schickte Karl-Friedrich Schinkel als oberster preußischer Baubeamter Ernst Friedrich Zwirner als Dombaumeister nach Köln. Durch die Gründung des Zentral-Dombauvereins 1841 konnte ein Großteil der Kosten für den Weiterbau des Domes aufgebracht werden. Den anderen Teil übernahm das Königreich Preußen. In Anwesenheit König Friedrich Wilhelm der vierte wurde 1842 an der Südseite des Domes der Grundstein zum Weiterbau gelegt.

Unter Einsatz der neuesten technischen Möglichkeiten wurde der Dom in nur 38 Jahren von den Dombaumeistern Zwirner und Voigtel fertiggestellt. 632 Jahre nach der ersten Grundsteinlegung konnte am 15. Oktober 1880 als abschließende Bau- maßnahme die Kreuzblume auf den südlichen Turm aufgesetzt werden.

Als größte mittelalterliche Bauteile präsentieren sich Hochchor und Kapellenkranz mit dem filigran gestalteten Stützensystem. Die von Zwirner entworfene Fassade des südlichen Querhauses gilt als Meisterwerk neugotischer Architektur: die Portalfiguren stammen von Christian Mohr. 1948-1954 werden von E.Mataré unter Mitwirkung seines Schülers J.Beuys die Bronzeportale geschaffen.

Den imposantesten Anblick bietet der Dom von Westen. In vier Geschossen ragen die beiden Türme der mit 7000 Quadratmetern größten Kirchenfassade der Christenheit empor, deren Aufbau sich größtenteils am wiederaufgefundenen mittelalterlichen Fassadenriß orientiert. Die fünf Achsen der Fassade spiegeln die innere Aufteilung in fünf Schiffe wider. Von den drei Portalen stammt nur das Petersportal im Süden aus dem Mittelalter. Die aus 30 000 Ziegel gemauerte Plombe im nördlichen Strebepfeiler erinnert an die schweren Schäden, die der Dom während des Krieges erlitten hat. Mit einer Höhe von 157,38 Metern überragt der nördliche Turm seinen südlichen Nachbarn um genau sieben Zentimeter.

Betritt man den Dom durch das mittlere Westportal, öffnet sich sogleich der Blick in das schlanke, hoch aufragende Mittelschiff über dessen gesamte Länge von 119 Metern. Einen Rundgang beginnt man im nördlichen Seitenschiff. Hier fallen zunächst die prächtigen Glasfenster aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts ins Auge, deren Entwürfe von bedeutenden Vertretern der Kölner Malerschule angefertigt wurden. Vor dem Nordquerhaus steht der um 1360 geschaffene Klarenaltar, der 1821 aus dem ehemaligen Klarissenkloster in den Dom übertragen wurde. Auf den Außenseiten der Altarflügel zeigen die ältesten erhaltenen Leinwandgemälde zwölf franziskanische Heilige.

Unter der Orgelempore hindurch gelangt man in den Chorumgang. Das Fußbodenmosaik, das sich durch den gesamten Umgang zieht, wurde 1885-1897 von August von Essenwein entworfen und durch die Firma Villeroy & Boch, Mettlach, ausgeführt. Die erste große Darstellung am Eingang zeigt Erzbischof Hildebold mit dem Modell des „Alten Doms“. Zu den bedeutendsten Ausstattungstücken gehört das von Bischof Gero (im Amt 969-976) gestiftete Gero-Kreuz, das Christus im Moment des Todes mit geschlossenen Augen und geneigtem Haupt darstellt. Die überlebens-große ottonische Plastik aus Holz gilt als der älteste Monumentalkruzifix des Abendlandes. Seit 1683 ist das Gero-Kreuz in den barocken Kreuzaltar einbezogen.

Der durch steinerne Chorschranken und barocke Chorgitter abgetrennte Binnenchor hat seine mittelalterliche Ausstattung nahezu vollständig bewahren können; Das reich geschnitzte Chorgestühl, in dessen plastischem Schmuck vor allem menschliche Tugenden und Laster zur Darstellung gebracht wurden, entstand 1308/11 und ist mit 104 Sitzen das größte in Deutschland. Besondere Sitze blieben Papst und Kaiser vorbehalten, die seit dem frühen Mittelalter Mitglieder des Kölner Domkapitels waren. Die Chorschrankenmalereien des 14. Jahrhunderts zeigen Szenen aus dem Leben von Heiligen, die mit Köln in Verbindung standen. An den Pfeilern des Binnenchores stehen auf Blattkonsolen lebensgroße Statuen Mariens, Christi und der zwölf Apostel, die zu den Meisterwerken der Kölner Bildhauerkunst um 1280/90 zählen. Über ihren Architekturbaldachinen sind musizierende Engel zu sehen. Die mittelalterlichen Fenster des Chorobergadens zeigen 48 abwechselnd bärtige und bartlose Könige und im Achsfenster eine Anbetung der Könige.

Den gewaltigen, mit schwarzem Marmor verkleideten Hochaltar zieren szenische Darstellungen sowie Propheten-, Apostel- und Heiligenfiguren aus weißem Carrara-Marmor. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Dreikönigenschrein in einer gläsernen Vitrine hinter dem Hochaltar aufgestellt.

Eine offizielle Führung durch den Kölner Dom ist sicher interessant.

Aber das Äußere des Doms stellt bis heute seine Anforderungen; das gesamte Strebewerk mußte ab 1904/05 wegen schwerer Verwitterungsschäden erneuert werden. Im zweiten Weltkrieg richteten Fliegerbomben erhebliche Schäden an. Nach dem Krieg erhielt Dombaumeister Willy Weyres den Auftrag, bis zum Jubiläumsjahr 1948 den Chor wieder nutzbar zu machen, der gesamte Innenraum konnte erst 1956 der Gemeinde übergeben werden.

Danach gingen und gehen die Bauarbeiten ständig weiter. Witterungsschäden und Schadstoffe in der Luft, vor allem das Schwefeldioxid, das sich mit Niederschlägen zu saurem Regen, zu Schwefelsäure verbindet, zerfressen das Gestein. Wie im Mittelalter übernimmt heute eine ständige Dombauhütte mit circa 75 Mitarbeitern und mehreren Vertragsfirmen die Restaurierung der zerstörten Bauteile. Ab 1999 wird die Hütte erstmals von einer Frau geleitet.

Jedes Jahr werden mittlerweile 150 Tonnen Domgestein ausgewechselt und Tausende Dübel erneuert, die die schweren Steinquader verankern. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Im Kölner Volksmund heißt es: „Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter“.

Aber die jahrhundertelangen Anstrengungen um den Dombau haben sich insofern gelohnt, als das die UNESCO den Kölner Dom 1996 zum Weltkulturerbe erklärte.

Literaturhinweise:

Cart, Dietmar/Rakoczy, Csaba P./Specht, Heiko: Der Kölner Dom, Bilder und Geschichten einer Kathedrale. 1997

Kaltwasser, Ute: Der Kölner Dom wie ihn keiner kennt. 1998

Klein, Markus (Hrsg.): Der Kölner Dom. Ein literarischer Führer.1998

Läufer, Erich (Hrsg.): Gottes Gotisches Haus am Rhein. 750 Jahre Kölner Dom. Ein Lesebuch.1997

Schumacher, Thomas: Großbaustelle Kölner Dom. Technik des 19.Jahrhunderts bei der Vollendung einer gotischen Kathedrale. 1993

Internet-Adresse:

http://www.koelner-dom.de

QUELLE: Bertelsmann Wissenscenter

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