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Mode und Lebensgefühl - 1797-1828

Nach der Französischen Revolution befanden sich die Gesellschaftlichen Leitbilder im Wandel. Das Bürgertum war nun an die Stelle der Aristokratie getreten und wurde nicht nur zur politisch Führenden Klasse, sondern auch zur Wirtschaftlichen Macht. Die Finanzkraft lag in seinen Händen.

Zu Schuberts (Komponist) Lebzeiten veränderte sich Europa politisch und ökonomisch grundlegend, was sich auch im täglichen Leben der Menschen zeigte.

Da Mode auch der Ausdruck der Geisteshaltung einer Epoche ist, hatte die Französische Revolution von 1789 auch eine Revolution der Kleidungssitten gebracht. Das große Vorbild war – im Geistesleben, in den Künsten und in der Mode – die klassische Antike. Das Kaiserreich Napoleons, „das Empire“, prägte den Stil der neuen Zeit. Er zeichnete sich durch Strenge und Schlichtheit aus und stand damit im Kontrast zu dem Prunk der vorrevolutionären Zeit.

Die Entstehung des Empire–Stils war ein wichtiger Aspekt bei der wirtschaftlichen Entwicklung: In immer größeren Mengen wurden leichte Baumwollstoffe aus Indien eingeführt. Sie fanden in allen Bevölkerungsschichten starken Zuspruch.

Außerdem begann man Ende des 18.Jahrhundert im Süden Nordamerika, in großem Maßstab Baumwolle anzubauen. Man exportierte sie nach England, wo sie gesponnen und gewebt wurden. Die Preise für englische Baumwollstoffe waren niedrig, und eroberten so den Weltmarkt.

Zur Verbreitung des neuen Kleidungsstils trug entscheidend die Erfindung von Kupferstichen mit Mode-Motiven gegen Ende des 18.Jahrhunderts bei. Sie wurden in ganz Europa veröffentlicht, sodaß Damen und Herren in den Großstädten, wie etwa Wien und St. Petersburg, sofort die neuesten „modes de Paris“ kopieren lassen konnten.

Der Empire-Stil

Die weißen Empire-Kleider mit hoher Taille, tiefem Ausschnitt und kurzen Puffärmeln waren leicht und luftig. Dazu wurden oft rosafarbenen oder weiße Strümpfe getragen. Eine berühmte „Trendsetterin“ des Empire-Look war Madame Récamier. Einmal besuchte sie die Oper in einem Kleid, das ihren Körper von einer Brust zur entgegen-gesetzten Hüfte freilegte, ein anderes Mal promenierte sie mit nacktem Busen auf dem Champs Elysée – die antike Jagdgöttin war wohl das Vorbild dieser exzentrischen Entblößung. Obwohl Napoleon mondäne Frauen bewunderte, versuchte er, allzu exzentrische Modelaunen der Damen seines Hofes zu zügeln, indem er die Feuerstellen zumauern ließ: Kühle Räume, so hoffte er, würden die leicht bekleideten Damen dazu bringen, sich wärmer anzuziehen.

Im allgemeinen aber mußten sich die Damen des Empire nicht allzusehr um klimatische Verhältnisse kümmern, denn sie lebten in bequemen, beheizten Häusern und reisten meist in geschlossenen Kutschen. Trotzdem brachte die Mode auch Überbekleidung hervor, die in der einen oder anderen Form eine beträchtliche Zeit überdauerte. So gehörten zum Beispiel Schals zu jeder Damengarderobe; wichtig war, daß sie elegant drapiert wurden.

Die begehrtesten Stücke kamen aus Kaschmir, aber bald beteiligten sich auch Hersteller aus dem schottischen Paisley erfolgreich an diesem einträglichen Geschäft – bis heute sind Schals mit Paisley-Muster, imitierten Kaschmir-Motiven, modern. Die Pelerine, ein halblanger Umhang, kam in Mode, wie auch die Redingote, ein körper-nah geschnittener, leicht ausgestellter und bis zur Taille geknöpfter Mantel mit schmalen Revers.

Die Biedermeier-Mode

Nach Napoleons Verschwinden von der politischen Bühne kam der Empire-Stil aus der Mode. Vor allem hatte der Aufstieg des Bürgertums zur Folge, daß das Privileg, modisch gekleidet zu sein, nicht mehr eine Frage des Standes, sondern des Geldes war. Und so konnte die Frau eines Bankiers aufwendiger gekleidet sein als eine Dame des Adels.

Die beginnende Biedermeierzeit entwickelte eine bürgerliche Variante des Empire-Stils – weniger exzentrisch, weniger gewagt, aber auch weniger klar in den Linien. Modelle, wie sie Madame Récamier getragen hatte, galten nun als unzüchtig. Zwar behielt man die hohe Taille bei, doch die Oberteile wurden nicht mehr so knapp gearbeitet. Die bodenlangen Säume verzierte man mit Volants, Stickerei oder Pelzbesatz; die kleinen Puffärmel wurden verlängert, in Falten gelegt und in Keulenform zugeschnitten.

Auch die dünnen, durchsichtigen Baumwoll-Mousseline hielt man nun nicht mehr für angebracht, und man verwendete wieder Seide, Samt und Satin (und grobe bedruckte Baumwolle für weniger Wohlhabenden) in bunten Farben. Auch die klassischen Sandalen verschwanden; sie wurden durch zierliche Schlupfschuhe aus Seide oder weichem Leder ersetzt. Sie hatten keinen Absatz, waren an den Seiten sehr niedrig und vorne kurz und rund gearbeitet, oft mit einer kleinen Schleife oder Stickerei verziert. Kleine Füße galten als besonders fein.

Als es im Laufe der Zeit modern wurde, die Kleider ein wenig kürzer zu tragen, wurden die zierlichen Schüchen durch Halbschuhe und Stiefeletten ersetzt.

Korsett und Beinkleider

Nach 1820 wurden die Röcke weiter, und die Taille saß wieder an ihrem natürlichen Platz. Um eine schmale Taille vorzutäuschen, mußten sich die Damen in enge Korsetts zwängen – ein Kleidungsstück, das unterhalb des Busens ansetzte und bis zu den Hüften reichte.

Bis zum frühen 19.Jahrhundert hatte man Unterwäsche für unnötig gehalten. Sie hätte sich auch unter den Hauchdünnen Baumwollkleidern abgezeichnet. Als dann aber wieder Kleider aus schwereren Stoffen gefertigt wurden, trugen die Damen darunter Beinkleider aus Leinen; diese waren zwar lang, doch durften sie nicht unter dem Saum des Kleides hervorblitzen. Im Laufe der Zeit wurden sie dann enger geschnitten und unterhalb des Knies gebunden.

Einige Zeitgenossen hielten Damenbeinkleider für unanständig und ungesund: „In der höheren Gesellschaft tragen Frauen und Mädchen Beinkleider – eine verabscheuungswürdige Erfindung, die viele Übel hervorruft.“ Bei Frauen der unteren Gesellschaftsschichten setzte sich diese Unterwäsche erst gegen Ende des Jahrhunderts durch.

 

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